Eine Weile hatte ich den Eindruck nichts geht vorwärts. Vor allem hatte ich Probleme die Zeit sinnvoll einzusetzen. Ich bin spät ins Bett gekommen, spät aufgestanden und nachdem dann die Standardtätigkeiten (Waschen, Essen, Haushalt, Einkäufe) erledigt waren war es schon Abend und ich habe nur noch versucht etwas abzuschalten, um möglichst nicht allzu spät ins Bett zu kommen –mit Blick darauf, dass ich hoffentlich den kommenden Tag besser nutzen könnte.
Also mit anderen Worten: Wenn es bereits Nachmittag war und ich nichts geschafft hatte, dann habe ich den Tag innerlich bereits abgehakt und den Blick auf morgen gerichtet.
Das ist schon einmal eindeutig unvorteilhaft. Jegliche Aktivität am Abend bleibt dann automatisch unproduktiv. Da ich meine Aktivitäten protokolliere kann ich auch sehen, dass hier jeden Abend 4, 5, 6 oder noch mehr Stunden vergehen.
Da lese ich Neuigkeiten aus den Bereichen die mich interessieren, schaue mir entsprechende Youtube-Videos an und verschicke Links an Freunde zu Themen die für sie interessant sein könnten. Klar: Freunden Links schicken ist nett (wenn die Links gut sind
) aber wenn dafür viel Zeit drauf geht und die wichtigsten Dinge im Leben liegen bleiben, dann läuft da etwas falsch.
Ich bemerke nun aber in kurzer Zeit mehrere wirkliche Fortschritte dank der gelesenen Bücher von zB. Eckhart Tolle und ganz aktuell Ezra Bayda.
Zum Beispiel habe ich das gemerkt als ich vor 2 Nächten abends im Bett gemerkt habe, dass ich noch mal ins Bad muss.
Wegen meines Waschzangs der bis letzten Sommer extrem war ist die Idee abends nochmal aufzustehen, um das WC zu benutzen nachdem ich mich so mühsam ins Bett gekämpft habe (so mein Empfinden das ich nun auch in Frage stelle –mehr dazu gleich) fast schon ein Angstthema, weil ich immer fürchten musste (jetzt nicht mehr aber dia Angst ist gelernt und bleibt erst einmal), dass es lange dauern könnte, sehr quälend und anstrengend wird und ich danach vielleicht nicht wieder einschlafen kann. Vor allem aber ist mir nun klar (dank des Buchs von Bayda), habe ich immer liegen bleiben wollen, weil ich den Komfort im Bett zu liegen und nichts tun zu müssen nicht aufgeben wollte.
Gewohnheitsmäßig würde ich in der Situation erstmal abwrten, ob ich tatsächlich unbedingt muss. Allerdings kann mich dieses Warten selbst wieder wach halten.
Nun aber war es ganz leicht: Ich wusste, wahrscheinlich muss ich aufstehen früher oder später und wenn ich sofort gehen würde hätte ich es hinter mich gebracht und wahrscheinlich Zeit gespart (weil ich früher schlafen würde).
Das klingt völlig banal und für die meisten Menschen ist es sicher auch kein Problem. Für mich schon –bzw. war es das.
Was es bedeutet ist jedoch recht fundamental: Die Bereitschaft jede unbequeme Tatsache ohne Widerstand sofort zu akzeptieren und dann sinnvoll zu handeln ist etwas das sehr weitreichende Folgen hat, vor allem für Menschen die es gewohnt sind unbequemes zu leugnen und zu ignorieren. Im Extremfall könnte man hier an jemanden denken der zB. einen auffälligen Leberfleck an sich sieht und nicht zum Arzt geht –aus Angst.
Alltäglicher dürfte es sein, dass Menschen die Steuererklärung aufschieben oder man nach 2 Wochen nicht mehr ins Fitness-Studio geht (aber natürlich trotzdem zahlen muss). Das ist der “innere Schweinenund”.
Das kennen viele. Hier gibt es immerhin noch ein Problembewusstsein.
Das gleiche Problem in einer für die meisten Menschen alltäglichen Gestallt und garnicht als Problem wahrgenommen ist es ein durchschnittliches recht langweiliges Leben führen und dafür ihre Träume was sie mit ihrem Leben anfangen wollten einschlafen lassen.
Den Grund für dieses Nicht-Handeln sehe ich bei allen diesen Szenarien –von selten und eindeutig krankhaft über recht häufig und als Problem gesehen bis zu alltäglich und unerkannt– in der für wahr gehaltenen Überzeugung, dass Komfort wichtig ist, um zufrieden und glücklich zu sein.
Daher sehe ich in meiner besonnenen Reaktion mit sofortigem sinnvollen Handeln ohne jeden inneren Protest in unspektakulären Alltagssituationen wie eben nochmal ins Bad zu müssen, wenn man jetzt eigentlich nur noch liegen bleiben und schlafen wollte Signale die mich positiv stimmen.
Ich schreibe einige wichtige Erkenntnisse die mir das ermöglichen dem Buch At Home in the muddy Waters von Ezra Bayda zu. Wenn man den Inhalt dieses oder anderer Bücher zum Thema buddhistische Lebensphilosophie begreift, besteht die Möglichkeit, dass man –wie Bayda schreibt– zu allem was das Leben einem anbietet und sei es oberflächlich gesehen noch so schlecht einfach “ja” sagen kann.
Wenn man das kann, was kann man dann nicht erreichen im Leben?
Ich habe mir vorhin mal wieder meine Slideshow mit Bildern die mich motivieren sollen (Bildersammlung zu Themen die mit meinen Lebenszielen zu tun haben) angesehen. Ich habe die Emotion von Frust bemerkt genährt von dem Gedanken “das bringt doch alles nichts – das wirst Du sowieso alles nicht schaffen”. In dem gleichen Moment hat sich diese bislang für die Wahrheite gehaltene Meinung aufgelöst. Ich habe mir dann weiter die Bilder angesehen und ich konnte nicht anders als mich in diesen Situationen auf den Bildern vorstellen.
Natürlich habe ich mit dem Visualisieren eines Wunsches noch nichts erreicht. Vielleicht werde ich auch diese Ziele nicht erreichen. Aber ich habe beim weiteren ansehen der Bilder dort wo vorher Traurigkeit war (wegen dem Gedanken, dass ich das nicht schaffen kann) Freude empfunden.
Eine Garantie gibt zum Gelingen es nicht. Aber mit der Überzeugung der Unmöglichkeit war es garantiert, dass nichts von dem je passieren wird. Wie kann man jeden Tag auf etwas hinarbeiten von dem man tief überzeugt ist, dass man es nie erreichen kann?
Die Unmöglichkeit ist (für den Moment) fort und damit ist die Möglichkeit offen –keine Garantie, sondern eine eingerissene Mauer. Es ist jetzt möglich. Ich denke daher kommt die Freude.
Die Aufmerksamkeit auf diese Gedanken zur die man für Wahrheiten hält und die man zum Teil der eigenen Identität gemacht hat zu lenken, das habe ich beim Lesen von Baydas Buch gelernt und das ist unglaublich wertvoll für mich.
Das Buch gibt es auch auf deutsch. Den dt. Titel empfinde ich als nicht gute Übersetzung: Zen oder die Kunst, einen Weg aus den Sümpfen des Alltags zu finden. Der Titel bezieht sich auf die Lotus-Blume die im in trübem Wasser wäscht. Wie gut der Inhalt übersetzt ist weiss ich nicht, denn ich habe es nur auf englisch. Ich möchte das Buch aber sehr empfehlen. Für mich hat es sich als wichtig erwiesen.